„Man hat trotz Pflege durchaus Zeit für ein gutes und ausgewogenes Privatleben“

Wer heute auf die Frage, was er beruflich macht, mit Altenpflegefachkraft antwortet, erntet in der Regel eine respektbezeugende Mimik. Vermutlich auch deshalb, weil die ersten Gedankenspiele dazu eher in unaussprechliche Richtungen gehen, Tod und Verderben und allerlei Gerüche vermengen sich zu einem Bild, das oftmals mit der Realität wenig zu tun hat. Aber es muss ja gemacht werden, nur nicht von einem selbst. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Altenpflege eine Vielzahl von Tätigkeiten umfasst und fachlich hohe Ansprüche an die Pflegenden stellt. Wer will und kann, findet außerdem eine ganze Palette von Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Davon berichtet die Altenpflegerin Sina Krause, 30, seit über 10 Jahren für den Johanniter-Stift in Gelsenkirchen im Einsatz.

„Meine Kollegen von morgen verdienen es, gründlich angeleitet zu werden“

Ihre Laufbahn in der Altenpflege begann für Sina Krause 2008 ganz klassisch als Praktikantin. Dann qualifizierte sie sich zur Pflegehelferin, schließlich folgte die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin. Der nächste Schritt war die Weiterbildung zur Praxisanleiterin, das heißt sie kümmert sich um die Auszubildenden im Haus, leitet sie an und unterstützt die Newcomer bei allen Fragen rund um die Lehrzeit. In puncto Ausbildung mischt sie zwischenzeitlich noch mehr mit: In ihrer Rolle als Praxiskoordinatorin sichtet sie Bewerbungen, ist bei Bewerbungsgesprächen dabei und hat ein Auge auf die Kandidaten während des Probearbeitens.

Sina Krause legt sich für ihre Schützlinge ordentlich ins Zeug und möchte, dass sie von ihrem Erfahrungsschatz profitieren. „Meine Kollegen von morgen verdienen es, gründlich angeleitet zu werden“, bringt sie ihre Haltung auf den Punkt. Und sie weiß um die manchmal hohen Anforderungen. Nicht nur viel Einfühlungsvermögen ist gefragt sondern auch eine gehörige Portion an Fachwissen, denn es gilt auch in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten.

„Hut ab, jetzt weiß ich was ihr so alles macht!“

Unvergessen ist beispielsweise der Tag, an dem Sina Krause eigentlich ganz in Ruhe einem frischen Auszubildenden ein paar Handgriffe zeigen wollte. Eigentlich. Dann stand der Rettungswagen vor der Tür, auf dem betreffenden Wohnbereich war das Personal knapp, zu allem Unglück blieb es nicht bei diesem einen Notfall, sondern es kamen noch zwei weitere dazu. Sina Krause sprang der Schichtleitung zur Seite, den Auszubildenden im Schlepptau. Für den jungen Mann wurde diese Situation zu einer ganz besonderen Lehrstunde. Am Ende wusste er, wie eine erste Übergabe an den Rettungsassistenten aussah, die noch im Fahrstuhl erfolgte, welche Papiere zusammenzustellen sind und was insgesamt dafür vorzubereiten ist. „Er war ziemlich geflasht von dem, wie wir da ruhig und professionell gehandelt haben“ so Sina Krause rückblickend. Sein Fazit „Hut ab, jetzt weiß ich was ihr so alles macht“ war auch irgendwie eine Bestätigung für das Team.

„Man hat trotz Pflege durchaus Zeit für ein gutes und ausgewogenes Privatleben“

Immer wieder ist zu hören, wer in der Altenpflege tätig ist, dem wird dadurch das Privatleben torpediert. Sicher sind Wochenenddienste und Einsätze an Feiertagen kein Zuckerschlecken. Abgesehen davon, dass auch andere Berufe darauf nicht immer Rücksicht nehmen können, sieht Sina Krause dies überhaupt nicht als unausweichliches Schicksal: „Wir haben zwei Hunde, einen großen Bekanntenkreis und eine große Familie. Man hat trotz Pflege durchaus Zeit für ein gutes und ausgewogenes Privatleben“.