Komm‘ doch mal Probearbeiten!

Claudia Laaser legt bei der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH eine beindruckende Karriere an den Tag. Nach fünfzehn Jahren als Friseurin startete sie als Betreuungsassistentin beruflich neu und ist heute auf dem Weg zur Pflegefachkraft.

Sich beruflich um pflegebedürftigen Menschen kümmern? Und dann sind sie auch noch an Demenz erkrankt? Nein, das konnte sich Claudia Laaser, Jahrgang 1972, zunächst nicht so recht vorstellen. Da ging es ihr 2014 ähnlich wie vielen anderen, die zwar eine gewisse Vorstellung von dem haben, was in der Pflege und Betreuung abgeht, aber eben auch nicht mehr. Es fehlte die konkrete Erfahrung in dem Berufsfeld. Man schnappt dieses und jenes auf, hört nur von Nachteilen und übersieht die gleichen Defizite bei anderen Jobs. Claudia Laaser hat sich jedenfalls auf das Wagnis eingelassen, sich selbst ein Bild zu machen und zu prüfen, ob sie das machen kann und will. Aber wie kam es überhaupt dazu? Nach 15 Jahren im Friseurhandwerk, das sie von der Pike auf gelernt hat, stand bei ihr ein Richtungswechsel an. Gut, vielleicht hätte es auch ein neuer Salon getan. Aber eine Freundin, als Betreuungsassistentin in einer Demenz-Wohngemeinschaft tätig, ließ nicht locker, sie für eine ebensolche Arbeit zu erwärmen. „Komm einfach mal gucken“, schlug sie vor, „und wenn es dir nicht gefällt, kannst du einfach wieder gehen“. Claudia Laaser kam – und blieb.

„Claudia – mach das!“

Natürlich nicht sofort, aber nach einigen kurzen Probearbeiten, zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Schichten wurde ihr klar, dass sie das machen will und kann. Dazu kam noch einiges Zureden und Unterstützung von allen Seiten, um sie endgültig zu überzeugen, den Job als Friseurin an den Nagel zu hängen. So stieg sie schließlich im April 2014 als Betreuungskraft – die dort weniger amtlich ‚Concierge‘ heißen – in der Demenz-Wohngemeinschaft ‚Leben am Rheinelbepark‘ in Gelsenkirchen ein. Claudia Laaser wollte schon immer mit Menschen auch beruflich zu tun haben. Da liegen auch einige ihrer Stärken, denn sie kann sich gut in ihre Klienten einfühlen, versteht ihre Sorgen und Nöte, findet immer wieder Anknüpfungspunkte in Gesprächen, weil sie auch zuhören kann. Eigenschaften, die für diese Tätigkeit unerlässlich sind, so die Überzeugung von Claudia Laaser. Dazu kommen eine Menge praktischer Anlagen. Davon hat sie einige, denn schon bald hat man ihr in der Wohngemeinschaft weitere Aufgaben angetragen, wie etwa Aktionen mit Kindergartenkindern oder die Organisation von Ausflügen.

Neue Herausforderungen winken

Die Reise für Claudia Laaser ging aber noch weiter: In einer Demenz-Wohngemeinschaft wird nicht nur betreut. Auch die Pflege spielt eine große Rolle. Betreuungskräfte dürfen letzteres aber nicht, sie sind dafür nicht ausgebildet. Ob sie sich vorstellen könnte als Pflegehelferin zu arbeiten, wurde sie gefragt. Der nächste Karriereschritt wurde mit Nachdruck an sie herangetragen. So wurde sie alsbald Pflegehelferin, qualifizierte sich dann noch zusätzlich, um auch einige spezielle Tätigkeiten wie das Spritzen von Insulin und das Anlegen von Kompressionsstrümpfen erledigen zu können. Ob sie sich vorstellen könnte, ihr Examen als Pflegefachkraft zu absolvieren, lautete die nächste Frage. „Dafür bin ich zu alt“ antwortete sie. „Falsch“ meinte Claudius Hasenau, Chef der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, dazu und trug ihr als Orientierungshilfe an, sich für den nächsten Gesprächstermin zum gleichen Thema einmal eine Pro und Contra Liste anzulegen. Gesagt – getan. Jetzt ist Claudia Laaser bereits im zweiten Ausbildungsjahr, kommt gut voran und bereut nichts.

„Mama, hör auf anzugeben“

Wie die Familie die zweite Karriere kommentiert? „Mama, hör auf anzugeben“ witzelt ihr Sohn gelegentlich, selber in einer Ausbildung, wenn sie mal wieder bessere Noten hat als er. Respekt bekommt sie von allen Seiten nicht nur für den Berufswechsel sondern auch für das, was sie für die Menschen leistet, die ihre Unterstützung brauchen.