„Ich möchte den Auszubildenden zeigen, dass Pflege etwas bewirken, etwas verändern kann.“

Links im Bild: Manuela Wolter, freigestellte Praxisanleiterin im Diakoniewerk Essen, im Gespräch mit Christien Müller
Fachkräfte sind begehrt. Wer sich im Land umhört, dem schallt es aus vielen Personalabteilungen entgegen, wie sehr doch gut qualifizierte Leute fehlen. Für die Pflege ist dies, so muss man leider sagen, ein alter Hut. Bei der wachsenden Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind also gute Ideen gefragt, um junge – oder auch spätentschiedene – Auszubildende zu finden und für den Beruf zu begeistern. Das Diakoniewerk Essen ist an einem Punkt der Zeit gewiss voraus: Die gemeinnützige Senioren- und Krankenhilfe GmbH hat schon im Sommer 2017 im Seniorenzentrum Margaretenhöhe eine ganz besondere Stelle eingerichtet, um ihre Auszubildenden bestmöglich zu unterstützen. Manuela Wolter ist eine der ersten freigestellten Praxisanleiterinnen, deren Aufgabe ausschließlich darin besteht, sich den Berufsanwärtern zu widmen.

Die 54jährige Pflegeexpertin bringt dafür die allerbesten Voraussetzungen mit. Nach rund 25 Jahren Berufspraxis kennt die gebürtige Castrop-Rauxlerin so ziemlich das gesamte Spektrum der Altenpflege – von der häuslichen bis zur stationären Pflege. Neben der Grundausbildung zur examinierten Altenpflegerin hat sie eine Reihe von Fort- und Weiterbildungen absolviert, hat die Qualifikation zur Wohnbereichs- und Pflegedienstleitung und selbstverständlich auch die der Praxisanleiterin. Manuela Wolter kennt das Fach also von der Pike auf. Schon immer hat sie auch Auszubildende begleitet und stets das Bedürfnis gehabt, hier zu gestalten, neue Ideen einzubringen.

„Ich wollte schon immer Einfluss nehmen auf die werdenden Pflegekräfte“

Das kann sie nun. Es sind im Durchschnitt 14 Auszubildende, um die sie sich seit dem letzten Jahr in der eigens dafür angelegten Stelle rund um die Uhr kümmern kann. Und tatsächlich steht gelegentlich auch eine Begleitung im Nachtdienst an. Ein Dorn im Auge war ihr stets, wenn die Altenpflege ‚nur‘ als Job betrachtet wurde. „Du kannst zeigen, dass es Spaß macht in der Pflege zu arbeiten!“
Der Einstieg für die Auszubildenden beginnt auch im Seniorenzentrum Margaretenhöhe zunächst ganz klassisch, mit eingehenden Informationen zu wichtigen organisatorischen und rechtlichen Themen wie Hygiene und Brandschutz. Doch von Anfang spüren die Auszubildenden, wie sehr sie willkommen sind, auch dank der intensiven Präsenz von Manuela Wolter. Das unterstreicht auch Christien Müller, frisch gebackene Altenpflegefachkraft, die ihre Ausbildung noch vor dem Einstieg von Frau Wolter begonnen hatte. „Der Unterschied zu vorher ist deutlich bemerkbar. Nun haben wir eine Ansprechpartnerin, die für uns Zeit hat“.
Aber was ist nun das Neue an ihrer Tätigkeit? „Ich nehme die Auszubildenden mit, ich zeige ihm oder ihr nicht nur, was er oder sie macht. Ich vermittle, welche Möglichkeiten sich bieten, gebe viel Feedback und vor allen Dingen bin ich den ganzen Tag für sie da.“ Gerade die häufigen Rückmeldungen werden von den Anwärtern besonders geschätzt. „Frau Wolter geht mit ins Bewohner-zimmer rein, und sie erkennt schnell, was rund läuft und was nicht“, schildert Nicole Weibring, Auszubildende im ersten Jahr, eine typische Situation in der Begleitung durch Manuela Wolter. Die 44jährige ist Quereinsteigerin in der Pflege, hat selbst viel Berufs- und Lebenserfahrung und weiß deshalb sehr genau, warum sie ihre Praktikumsbegleiterin so sehr schätzt. „Sie hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und kann mich ebenso gut einschätzen, sieht meine Stärken und Verbesserungsbereiche“.

„Ich möchte jemanden so ausbilden, dass die Pflege hinterher so ist wie ich selbst gerne gepflegt werden würde.“

Pflege ist nicht einfach zu erlernen, es ist viel medizinisches Fachwissen nötig. Handgriffe müssen sitzen. Manuela Wolter versteht sich als eine Art ‚Coach‘ für die Auszubildenden. Auch ein Trainer muss manches mit den Spielern intensiv üben. „Und dann wiederholen wir meinetwegen bestimmte Sachen auch zehnmal, wenn es nötig ist.“ Dazu gehören auch verschiedene praktische Lernformen, wie zum Beispiel das gegenseitige Anlegen von Verbänden, um im wahrsten Sinne des Wortes ein Gespür dafür zu bekommen. Wichtig ist auch das ‚Sprechen‘. Hört sich vielleicht einfach an – ist es aber nicht. „Man muss auch erläutern können, wie und warum ich einen Kompressionsverband wickle und es auch den Bewohnern erklären können, dass es wichtig ist.“ In Prüfungssituationen wird dies stark von den Auszubildenden gefordert. Sie müssen es schaffen, wichtige Informationen und Zustände eines Bewohners kompakt und dennoch vollständig darzustellen. Das macht Stress, zumal wenn neben dem Pflegefachlichen auch noch die Sprachfähigkeiten ausgebaut werden müssen. Davon kann Ana Gvinjilia ein Lied singen. Die 41jährige Englisch-Lehrerin mit Wurzeln in Georgien, seit fünf Jahren in Deutschland und ebenfalls im ersten ‚Lehrjahr‘, ist überglücklich im Pflegeberuf angekommen („Es ist ein Traumjob für mich!“). Ihre Sprachbegabung ist nicht zu überhören, und dennoch braucht und schätzt sie die Prüfungssimulationen, die sie mit Manuela Wolter durchführt, um mehr Sicherheit zu gewinnen.

Die Arbeit trägt Früchte

Die intensive Begleitung des pflegerischen Nachwuchses trägt schon jetzt Früchte. Eine Auszubildende hat gerade die Prüfung als beste des ganzen Fachseminars abgeschlossen. Insgesamt schneiden die Kandidaten aus dem Hause überdurchschnittlich gut ab.
Unisono kommt übrigens von allen das große Lob an den Träger und speziell für die Einrichtungsleitung Bettina Mayer, die das Vorhaben einer freigestellten Praxisanleiterin initiierte und das Konzept dazu gemeinsam mit Jolanta Burda, der Pflegedienstleitung des Hauses, entwickelte.
Pflege braucht Warmherzigkeit, nicht nur im Umgang mit den zu Pflegenden. Für Manuela Wolter gilt dies auch für den Umgang mit Auszubildenden. Nicht von oben herab wird ausgebildet, sondern auf Augenhöhe.