Therese Olszewski, Pflegedienstleiterin beim SHD in Gelsenkirchen, ist ein bemerkenswertes Beispiel für eine Karriere in der Pflege unter teilweise schwierigen Bedingungen – und ohne jede Vorkenntnisse. Sie kommt ursprünglich aus Ostpreußen und hat dort als Verkäuferin gearbeitet. Sie heiratete früh, bekam zwei Kinder und setzte beruflich aus. Nachdem der Ausreiseantrag genehmigt wurde, ging Therese nach Deutschland. Zu SHD kam sie vor gut 20 Jahren über eine Bewerbung für eine Putzstelle.

Eines Tages bekam sie Eheprobleme. Ihr wurde klar: mit dem Gehalt als Putzfrau werde ich nicht länger über die Runden kommen. Therese wollte auf gar keinen Fall zum Sozialamt gehen. Dafür war sie viel zu stolz. Beim SHD vertraute sie sich den Leitungskräften an.

Man schätzte ihre sympathische und empathische Art und erkannte, dass sie ein Organisationstalent ist. Außerdem verfügt Therese Olszewski über einen großen Entscheidungswillen und über jede Menge Lebenserfahrung. Das sind beste Voraussetzungen für den Beruf in der Altenpflege.

„Persönliche Fähigkeiten muss man mitbringen, alles andere bringen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei“

SHD bot Therese an, die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin zu machen . Zunächst war sie skeptisch. Mit 40 Jahren nochmal die Schulbank drücken? Das konnte sie sich erst gar nicht vorstellen. Ihr war bekannt, dass die Ausbildung inhaltlich sehr anspruchsvoll ist. Beim SHD konnte man sie jedoch davon überzeugen, den Schritt zu wagen. Sie startete die Ausbildung in einem Teilzeitmodell, um auch finanziell klar zu kommen und trotzdem noch genügend Zeit für ihre Kinder zu haben. Nach vier Jahren und sieben Monaten hatte Therese Olszewski dann das Examen zur Altenpflegerin in der Tasche. „Die Ausbildung hat mich sehr gefordert. Wenn ich aber heute auf meine berufliche Laufbahn zurückblicke, war es das Beste, was mir passieren konnte. Außerdem hatte ich gar keine Zeit, über meine Eheprobleme nachzudenken.“

wkpshd7599Danach begann Therese beim SHD als Altenpflegerin im ambulanten Dienst. Mit der Zeit bekam sie jedoch durch die Fahrerei gesundheitliche Probleme. Zu der Zeit betreute SHD bereits zwei Wohngemeinschaften. SHD bot ihr die Möglichkeit, eine Demenz-WG zu leiten. Therese schnupperte erstmal rein und war sofort begeistert von dem Konzept und von der Arbeit in der Wohngemeinschaft. So wurde sie Leiterin der ersten WG, einige Zeit später leitete sie auch alle anderen Wohngemeinschaften in Gelsenkirchen, die von SHD betreut werden. Dann bot man ihr eine Stelle als Pflegedienstleitung an. Therese musste dafür eine weitere Fortbildung absolvieren. Da war sie bereits 50 Jahre alt. „Ich habe zwei Wochen hin und her überlegt. Mit 50 kann man doch nichts mehr lernen. Da kommt doch nichts mehr in den Kopf!“ Sie hat sich dann doch für die Fortbildung entschieden und absolvierte diese –  erneut unter schwierigen Bedingungen: Zuerst wurde die Pflegedienstleiterin krank, dann musste Therese über Weihnachten den Notruf übernehmen sowie die Dienstplanung. Die Arbeit in vier WGs, die Qualität der Pflege sicherzustellen, ihr Privatleben aufrechtzuerhalten und die Schule zu meistern – das schien ihr über den Kopf zu wachsen. Letztendlich hat sie es aber doch geschafft. Im April 2014 schloss Therese die Fortbildung ab und ist nun Pflegedienstleiterin beim SHD und „Chefin der Demenz-WGs“. Die Kolleginnen und Kollegen schätzen ihre ruhige Art, ihren Humor und ihre Fähigkeit, die Dinge klar und verständlich zu erklären und praktische Tipps zu geben. „Ich musste immer erst überzeugt werden, bis ich den Schritt gewagt habe. Aber es hat sich gelohnt, auch im fortgeschrittenen Alter“, sagt sie.

Ein Entwicklungsweg wie der von Therese Olszewski ist gleichermaßen erstaunlich wie bewegend und er zeigt, dass eine gute Ausbildung auch unter den ungwöhnlichen Bedingungen funktionieren kann, wenn man dazu bereit ist.

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