Hausmutter in einer Demenz-WG

Hausmutter in einer Demenz-WG

Hausmutter einer Demenz-WG. Prompt hat man ein Bild vor Augen: eine etwas ältere, robuste, patente Dame. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, bis man auf „Hausmütterchen“ kommt. Doch nichts da! Wer Marina Schack kennenlernt, erlebt eine sehr junge, agile, fröhliche Persönlichkeit mit einem Blick fürs Ganze und weit darüber hinaus. Marina Schack belegt den Begriff für sich so: „Für mich impliziert ‚Hausmutter’ Wärme. Und, na klar: ich bin auf eine gewisse Weise mütterlich, da ich mich um die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter kümmere.“

„Hier zieht keine Krankheit ein, sondern ein Mensch“

Bevor Marina Schack die Leitung der Demenz-WG in Gelsenkirchen Schaffrath übernahm,  arbeitete sie zunächst am Aufbau neuer Geschäftsfelder bei APD. Parallel dazu absolvierte sie einen einjährigen Lehrgang zur Demenzfachkraft. Als Hausmutter im Wohngemeinschaftenhaus am Stegemannsweg ist sie für drei Wohngemeinschaften verantwortlich. Dort leben jeweils acht Bewohnerinnen und Bewohnern in einer wohligen, privaten Atmosphäre unter einem modernen Dach. Das Erste, was man denkt, wenn man das Haus betritt: „So schön hat’s mancher nicht zuhause in seinen eigenen vier Wänden.“

Zu den Schützlingen von Frau Schack zählen vor allem die Mieterinnen und Mieter, die aufgrund einer dementiellen Veränderung nicht mehr in ihrem gewohnten Umfeld leben können, in dem Haus einen Neustart machen und bis zum Lebensende dort bleiben. „Wichtig ist für mich das Bild von den Menschen: hier zieht keine Krankheit ein, sondern ein Mensch mit seiner ganz individuellen Lebensgeschichte. Wir legen großen Wert darauf, die Personen vor ihrem Einzug erst einmal kennenzulernen. Es gilt herauszufinden, ob sie vom Charakter, mit ihren Lebenseinstellungen, ihren Bedürfnissen und Wünschen hier reinpassen. Wir stellen uns individuell auf jeden Menschen ein, der einzieht. “

Arbeiten mit Herz und Verstand

„Das Reizvolle an der Arbeit in einer Demenz-WG ist, dass man sehr nah am Menschen arbeitet“, erklärt Marina Schack. Ihre Auftraggeber sind die Mieter in der Einrichtung mit ihren Familienangehörigen. Diese geben die Marschroute in der WG vor. Marina Schack und ihr Team geben dem Haus und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern einen klaren Rahmen. „Als Hausmutter vertritt man die Interessen vieler Parteien.“ Denn da gibt es einerseits die Mieter, die hier leben. Da sind aber auch die Angehörigen der Mieter und natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Pflege und in der Betreuung arbeiten. „Man arbeitet hier nicht nach einem bestimmten Schema. Jeder neue Tag bringt neue Herausforderungen: Wie geht es den Mieterinnen und Mietern? Was brauchen sie heute? Das muss alles aufeinander abgestimmt werden.“

Leben wie in einer Familie

Bei der Zusammensetzung der Mietergruppen kommt es vor allem auf Passung an. Marina Schack nimmt sich bei den Aufnahmegesprächen viel Zeit und schaut, in welche Gruppe der neue Bewohner oder die Bewohnerin am besten hineinpasst. Hier muss sie viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen beweisen. Die Auswahl der neuen Mieter muss mit Bedacht getroffen werden. „Das Leben in einer Demenz-WG gleicht dem Leben in einer Familie. Die Einbindung aller Personen in den Alltag ist hier ein wesentlicher Bestandteil. Da müssen wir genau schauen, ob die Gruppe mit jedem Neueinzug so harmonisch bleiben kann.“

In der Demenz-WG steht das Leben im Vordergrund und nicht die Pflege und die Versorgung. „Unsere Conciergen begleiten den Tagesablauf mit. Da wird morgens gemeinsam das Bett gemacht, gemeinsam das Frühstück zubereitet, der Tisch gedeckt, das Mittagessen vorbereitet. Alles passiert hier gemeinsam“,  erklärt Marina Schack. Die Conciergen, wie APD den Begriff prägt, sind Alltagsbegleiter, die sich um die Mieterinnen und Mieter kümmern, während examinierte Pflegekräfte die eigentliche Pflege durchführen. Die Conciergen müssen gut organisieren und koordinieren können. Sie übernehmen neben Betreuungsaufgaben von Gruppen und Einzelpersonen hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie beispielsweise die Raum- und Wäschepflege und die Haushaltsorganisation, die nach Möglichkeit unter Einbindung der Mieterinnen und Mieter passieren soll. „Wir organisieren keine pauschale Versorgungsstruktur“, betont Marina Schack.

Conciergen

APD hat die Ausbildung von Alltagsbegleitern in Wohngemeinschaften für sich neu definiert. Dazu wurde gemeinsam mit einem Ausbildungsträger eine Qualifizierungsmaßnahme entwickelt, die über die Festschreibung des Paragraph 87b SGB XI hinausgeht, in dem das Tätigkeitsfeld von Betreuungskräften geregelt ist. APD hob damit ein eigenes Konzept des „Concierge“ aus der Taufe. Es steht nicht der Service- und Beschäftigungsgedanke im Vordergrund, sondern der Umgang mit und die Organisation von alltäglichen Abläufen. Die Betreuungskräfte in der Demenz-WG in Schaffrath sind in drei Schichten organisiert.

Und was muss man mitbringen, um in einer Demenz-WG zu arbeiten? Dazu Marina Schack: „Persönlich muss der Mitarbeiter Lust haben, für und mit den Mietern zu arbeiten. Mitarbeiter brauchen einen wachen Blick und müssen im Team arbeiten können. Für mich heißt das Arbeiten mit Herz und Verstand. Er muss im Blick haben, was der jeweilige Bewohner gerade braucht. Außerdem muss man geduldig sein und Missverständnisse aushalten können. Menschen mit Demenz agieren nicht immer rational. Damit gilt es klarzukommen. Außerdem muss man in der Lage sein, einen Haushalt mit acht Bewohnerinnen und Bewohnern gut organisieren und Prioritäten setzen zu können.“

„Was die Arbeit hier ausmacht, das ist der gute Mix an Fachlichkeit und Natürlichkeit. Wir bringen das in eine entsprechende Form, und alle profitieren davon: Sowohl die Mieter als auch die Mitarbeiter“, betont Marina Schack.

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