Faktencheck Pflege

Faktencheck Pflege

Pflege in der Emscher-Lippe-Region kann was!

In der Pflegelandschaft gibt es neben klassischen Versorgungsangeboten wie ambulanten Pflegediensten und Senioren- und Pflegeheimen auch eine große Anzahl an neuen Wohnangeboten wie beispielsweise Demenz-Wohngemeinschaften. Der Vielzahl an immer mehr pflegebedürftigen Menschen steht ein akuter Mangel an geeigneten, qualifizierten Pflegefachkräften gegenüber. Für Pflegebetriebe heißt es, dringend zu handeln: Nach Informationen der NRW Landesregierung wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von heute 548.000 bis 2050 auf 930.000 steigen. Laut Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung steigt der Mehrbedarf der Beschäftigten in Gelsenkirchen und Bottrop je nach Szenario zwischen 17,44 % und 34,88 %.

Überdurchschnittlich viele alte Menschen in Bottrop und Gelsenkirchen

Deutschland wird immer älter. Der demografische Wandel macht auch nicht vor der Emscher-Lippe-Region halt: In Gelsenkirchen sind 26,75 % der Einwohnerinnen und Einwohner älter als 65. In Zahlen bedeutet das, dass rund 69.000 von 257.000 Gelsenkirchenern alt bzw. hochbetagt sind. Damit liegt Gelsenkirchen über dem Landesschnitt von NRW, der bei 20,32 % liegt. Waren im Jahr 2010 noch 8.300 Personen in Gelsenkirchen pflegebedürftig, liegen die Prognosen für das Jahr 2030 bei 9.200 Menschen. Auch Bottrop liegt bei der älter werdenden Bevölkerung weit über dem Durchschnitt.

Anzahl der Beschäftigten in der Pflege

Im November 2014 waren in Bottrop 745 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gemeldet, in Gelsenkirchen waren es 1.728.

Was die Pflegelandschaft in Bottrop und Gelsenkirchen bietet

Die Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird und sich die Form der Versorgung verändert, bringt auch eine höhere Nachfrage nach unterschiedlichen Pflegeangeboten mit sich.

Immer mehr Menschen möchten in ihren eigenen vier Wänden alt werden und nehmen ambulante Pflegedienste in Anspruch. In Gelsenkirchen sind dafür 36 ambulante Pflegedienste, in Bottrop 23 im Einsatz. Kann häusliche Pflege nicht in vollem Umfang sichergestellt werden, haben Pflegebedürftige Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tagespflege. Zur Zielgruppe gehören häufig Menschen, die noch von der eigenen Familie versorgt werden. Viele Angehörige sind berufstätig und benötigen Entlastung, die durch die Versorgung ihrer pflegebedürftigen Angehörigen in der Tagespflege unterstützt wird. Häufig sind die Gäste einer Tagespflege Menschen mit Demenz, die tagsüber eine strukturierte, kontinuierliche Betreuung erhalten. In Gelsenkirchen gibt es vier, in Bottrop zwei Tagespflegeeinrichtungen.

Die Kurzzeitpflege greift dann, wenn betreuungs- oder pflegebedürftige Menschen vorübergehend pflegerisch versorgt werden müssen. Sie wird häufig nach Krankenhausaufenthalten oder nach einer Krankheit in Anspruch genommen. In Bottrop bieten 11 Pflegeeinrichtungen 55 Kurzzeitpflegeplätze an. Außerdem verfügt die Stadt über eine solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtung mit 18 Plätzen. In Gelsenkirchen halten 20 stationäre Einrichtungen eingestreute Kurzzeitpflegeplätze vor.

Wenn die häusliche Versorgung nicht mehr ausreicht, kommen vollstationäre Pflegeeinrichtungen zum Einsatz. Von diesen Pflege- und Seniorenheimen gibt es in Bottrop 14 Einrichtungen mit 1.319 Dauerpflegeplätzen. In Gelsenkirchen verfügen 22 Einrichtungen über rund 2.556 Plätze. Die Auslastung liegt bei 95–98 %. Der Anteil an weiblichen Bewohnern in Pflege- und Seniorenheimen beider Städte liegt bei rund 80 %.

Außerdem verfügt Gelsenkirchen wie auch Bottrop über ein Palliativnetz. Das Netzwerk begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg, hilft Leiden zu lindern, bietet die größtmögliche Lebensqualität in der letzten Lebensphase und begleitet Angehörige. An dem Netz sind Pflegeeinrichtungen, Fachärzte, psychosoziale Beratungsstellen, Kliniken sowie stationäre und ambulante Hospizversorgung beteiligt.

Neue innovative Wohnformen

Die Angebotsstruktur an Pflegemöglichkeiten hat sich in den letzten Jahren von vollstationären Pflege- und Seniorenheimen hin zu Wohngruppen und anderen Hilfen verschoben. Gelsenkirchen liegt bei seinem Angebot an Wohngruppen, speziell auch bei Demenz-WGs unter den Top 10 in Deutschland. Hier gibt es rund 20 Wohngemeinschaften. In Bottrop gibt es aktuell – im Gegensatz zu den meisten anderen Städten – keine Angebote, die den neuen Wohnformen zuzuordnen sind. Wie es sich in einer Demenz-WG lebt, darüber berichten wir bei „Wir können Pflege!“ im Beitrag „Hausmutter in einer Demenz-WG“.


Quellen

– Kommunale Pflegeplanung 2011, Bottrop
– Pflegebericht der Stadt Gelsenkirchen 2013/2014
– Bundesagentur für Arbeit