Ayse versus Hilde – unterschiedliche Kulturen in der Pflege

Ayse versus Hilde – unterschiedliche Kulturen in der Pflege

„Wir sind ein Senioren-Dienstleister, und kein normaler Pflegedienst“, sagt Ihan Bükrücü, Geschäftsführer von HHK (humane häusliche Krankenpflege). HHK hat im Herzen von Gelsenkirchen-Buer eine Wohnanlage für Senioren mit 36 Wohnungen gebaut und vermietet die Wohnungen. Doch damit nicht genug: Herr Bükrücü und sein Team bieten alles an, was die Senioren benötigen: Ob einfache Hausmeister- und Handwerkerdienste, Hausnotruf, Lieferservice für Getränke oder regelmäßige Bingoabende – das Komplettangebot erleichtert den hochbetagten Menschen, in ihren eigenen vier Wänden so lange wie möglich  zu leben und gut versorgt zu sein. Doch nicht nur die Wohnanlage wird von HHK betreut, auch viele Kunden im Stadtgebiet. Das Einzugsgebiet umfasst Gelsenkirchen-Buer, Scholven und Hassel. Um mehr Zeit für die Kunden zu haben, verzichtet das Team auf Autofahrten, die länger als 12 Minuten dauern.

Kultursensible Pflege: eine Frage der Erfahrung

„Wir haben einen guten Mix aus deutschen und türkischen Kunden. Bunt ist auch unsere Belegschaft. Bei uns arbeiten Deutsche, Türken, Polen, Russen und Portugiesen“, berichtet Ihan Bükrücü. Als Türke kennt Bükrücü genau die Bedürfnisse und die kulturellen Unterschiede bei der Pflege. „Kultursensible Pflege ist unser Steckenpferd. Bei türkischen Kunden merke ich innerhalb von Sekunden, ob ich beim Betreten einer Wohnung die Schuhe ausziehen muss oder nicht, ob ich der Kundin die Hand geben darf oder nicht. Das bringen Lebenserfahrung, Bauchgefühl und  Instinkt mit sich. So etwas kann man nicht lernen“, erläutert Bükrücü. „Der Islam ist ein Bestandteil, den man bei der Pflege berücksichtigen muss. Und: Islam ist nicht gleich Islam. Da gibt es große Unterschiede. Sie gilt es, kultursensibel zu berücksichtigen.“

Sprachbarrieren

Die größte Herausforderung für Migranten, die in der Pflege arbeiten wollen, sieht er in den Sprachkenntnissen. „Ich erlebe, dass viele junge Menschen weder richtig deutsch noch türkisch sprechen können. Aus meiner Erfahrung kann ich nur empfehlen, erst einmal eine Sprache richtig zu lernen. Dann klappt es auch besser mit einer weiteren Sprache“, erklärt Bükrücü.

„Die Pflegelandschaft in Gelsenkirchen kann was!“

Wie jeder andere Pflegedienst auch, so benötigt Ihan Bükrücü dringend Personal. „Ich könnte sofort 15 Pflegekräfte einstellen“, betont er. „Wir haben hier in Gelsenkirchen eine sehr attraktive Pflegelandschaft und kommen damit gleich hinter Berlin. Wo gibt es sonst so moderne Wohnkonzepte wie Demenz-WGs und auch Angebote für Migranten? Die Pflege bietet tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Außerdem muss  ja nicht sein ganzes Leben pflegerisch tätig sein, sondern kann beispielsweise Pflegewissenschaften studieren.“ So wie Bükrücüs Tochter und sein Neffe. Sie wollen sich weiterbilden, um später einmal ins Management aufzusteigen.

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